El Islam - Der Islam
Im 18. Jahrhundert kam es zu einer ersten deutlichen Durchflechtung der christlich-abendländischen Kultur Deutschlands mit dem Islam. Es entstanden dauerhafte islamistische Gemeinden und wirtschaftliche Verbindungen, beginnend mit dem Osmanischem Reich, etablierten sich. Bis jedoch die erste Moschee auf deutschem Boden errichtet wurde, vergingen noch viele Jahre. 1914 wurde sie schließlich in Wunsdorf bei Zossen (Brandenburg) für muslimische Gefangene erbaut. Sie hatte ein Minarett von 23 Metern Höhe. In etwa einer Stunde Entfernung davon entstand zeitgleich ein muslimischer Soldatenfriedhof. Nach dem ersten Weltkrieg war diese Moschee der Mittelpunkt der Religiosität für die Berliner Moslems. Schon zehn Jahre nach ihrer Weihung wurde sie jedoch aufgrund von Einsturzgefahr geschlossen und ein weiteres Jahr später schließlich ganz abgerissen.
Der Islam und seine geschichtliche Verbindung zu Deutschland
Der erste islamische Grundbesitz auf deutschem Boden wurde vom deutschen König Friedrich Wilhelm III erworben und dem osmanischen Reich überlassen. Es diente als Friedhof, denn am 29.Okt.1798 starb der türkische Botschafter Ali-Aziz-Effendi, und er sollte standesgemäß zur Ruhe gebettet werden können. Das Gelände wurde später allerdings verlegt.
Die erste von Muslimen selbst erbaute Moschee entstand in Berlin. 1924 wurde sie in Wilmersdorf eröffnet und blieb bis zum Ende des zweiten Weltkrieges das religiöse Zentrum deutscher Moslems.
Zu dieser Zeit lebten ungefähr 3000 Menschen islamischer Religion in Deutschland. Vor allem handelte es sich bei ihnen um Kaufleute, Akademiker oder Schriftsteller, die in einem engen Dialog zwischen neuer und alter Heimat lebten.
Der Islam
Nach dem zweiten Weltkrieg änderte sich diese Situation durch die vielen Tausend türkischen Gastarbeiter, die beim Wiederaufbau Deutschlands helfen wollten. Um nicht ihre Traditionen zu vergessen, schlossen sie sich in ihren Gruppen zusammen und lebten in einem fremden Land unter sich weiter. Die Deutschen im Gegenzug kannten wenige Eckpunkte der Religion und ließen diesen Gewohnheiten Freiraum, ohne sich wesentlich dafür zu interessieren.
Mit den Frauen dieser Gastarbeiter und ihren Kindern wuchs eine neue Generation des Islam heran- Deutsche, die muslimische Wurzeln haben. Sie wurden hier geboren und sehen sich nicht mehr als "Gast". Sie finden in anderen Kindern jeglicher Herkunft durch Schule und Ausbildung Anschluss und verstecken sich nicht mehr in abgelegenen Vierteln, denn ein "unter sich bleiben" gibt es für sie nicht.
Heute leben in Deutschland über zwei Millionen Menschen, die dem Islam angehören. 70 Prozent von ihnen sind oder stammen von diesen Gastarbeitern ab. Sie bestimmen maßgeblich die Wahrnehmung der Verflechtung des islamischen Glaubens mit seinen differierenden Tagesabläufen im deutschen Alltag.